„Als Azubi habe ich gleich fünf Jobs!“
Mittwoch, 10. März 2010 | Autor: admin
Wie von Geisterhand schiebt sich ein hoher Rollwagen über einen langen Flur im Hotel Döllnsee-Schorfheide. Die kleine Frau hinter dem Wagen ist kaum zu erkennen, weil der mit Bettzeug, Handtüchern, Pantoffeln und Kugelschreibern prall gefüllt ist. Dann bleibt der Wagen stehen und in einem der Hotelzimmer beginnen flinke Hände mit System herumzuwuseln, ein Staubsauger ertönt. Nach kurzer Zeit kommt die kleine Frau aus dem Zimmer, atmet tief durch und der Wagen fährt weiter…Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Diese Erfahrung musste auch Anke Ludewig (22) aus Eberswalde machen, als sie im August 2008 eine Ausbildung zur Hotelfachfrau in einem 4-Sterne-Hotel begann. Doch da Anke einen Ausbildungsplatz für ihren Traumberuf gefunden hatte, drücken sie die harten Bandagen der Lehrzeit kaum. Im Gegenteil, denn Anke ist mit Eifer bei der Sache. Sie gehört zu den besten Azubis des Hotels Döllnsee-Schorfheide und will im Hotelfach einmal nach ganz oben.
„Schon in meiner Abi-Zeit entwickelte sich bei mir der Wunsch einmal in die Hotellerie hineinzuschnuppern. Mich interessierte schon immer wie es hinter den Kulissen eines guten Hotels aussieht“, erzählt Azubi Anke Ludewig. „Doch nach dem Abitur bin ich erstmal für ein Jahr als Aupair-Mädchen in die USA gegangen. In Virginia betreute ich zwei kleine Kinder. Das war eine schöne Zeit. Ein Ausflug mit meiner Gastfamilie zu den Niagarafällen wird mir immer in Erinnerung bleiben. Nach meiner Ausbildung möchte ich in ein Hotel nach Californien“, erklärt Anke schmunzelnd und mit leuchtenden Augen.
Zurück in Eberswalde schrieb sie etwa 20 Bewerbungen für das Hotelfach und wurde schließlich vom Hotel Döllnsee angenommen. „Schon beim ersten Bewerbungsgespräch gefiel mir die freundliche und gediegene Atmosphäre dieses Hauses. Ein 4-Sterne-Hotel und das in meiner Nähe – ich war happy“, lacht Anke.
Nie vergisst Anke die Worte, die der Hoteldirektor im August 2008 zu ihr und 4 weiteren Azubis sprach: „Sie beginnen ihre Ausbildung in einem 4-Sterne-Hotel. Ihr späterer Weg führt nach oben, nicht nach unten. Das muss ihnen Ansporn sein. Wir können ihnen keinen Arbeitsplatz im Hotel zusichern. Wer gut ist findet von hier aus den Weg in die weite Welt.“
Bevor Anke als Hotelfachfrau in die weite Welt reisen wird, heißt es am idyllischen Döllnsee Betten machen, anspruchsvolle Gäste zu bedienen, stets freundlich zu sein und dabei auch noch immer gute Laune zu haben. Als Anke im August zum ersten Mal ihren Dienst in dem 60 Kilometer nördlich von Berlin gelegenen Hotel antrat, ahnte sie nicht, was in der Ausbildung alles auf sie zukommen würde.
Schon am ersten Tag war Saubermachen angesagt. Die Arbeit beginnt früh um sechs. Im Hotel Döllnsee-Schorfheide bedeutet Housekeeping professionelles Saubermachen auf hohem Niveau. Das Zeitlimit ist knapp. „Bei einer Abreise haben wir für die Reinigung des Zimmers mehr und bei einer Bleibe weniger Zeit“, erklärt die Erste Hausdame Adele Anhut. „Da bin schon ich ordentlich ins schwitzen gekommen“, gesteht ‘Azubine’ Anke, „das geht ganz schön in die Knochen. Aber man gewöhnt sich an alles. Als Schülerin hatte ich ja schon als Aushilfe beim Bäcker oder an einer Tankstelle gearbeitet.“
Es dauerte nicht lange, da durfte Anke erste Erfahrungen im Bereich Restaurant sammeln. Ein gutes Restaurant verkauft sich schließlich auch über guten Service und die Aufmerksamkeit der Servierer/innen. „Weil meine Freundin in England Bankett-Leiterin und zudem mein leuchtendes Beispiel ist, spornt mich die Arbeit im Restaurant geradezu an. Ich gehe sehr gern mit Gästen um, möchte perfekt servieren“, berichtet sie stolz.
Fast scheint es, als sei die Ausbildung für die ehrgeizige Eberswalderin ein Spaziergang. Nach zwei Wochen Praxis im Hotel folgt eine Woche Theorie am Oberstufenzentrum Barnim in der Ausbildungsrichtung Ernährung / Hotelfach. In ihrer Klasse sind nur 11 Schüler. Abiturienten mit guten Leistungen können die ganze Ausbildung in 2 ½ Jahren absolvieren. Nach dem 1. Lehrjahr schloss Anke ihre erste Zwischenprüfung mit ‘Gut’ ab. Damit ist der Grundstein für eine erfolgreiche Abschlussprüfung gelegt.
Bis dahin muss sie noch weitere Hotelbereiche erkunden und lernen. In der Küche lernt Anke, wie man Lebensmittel und Produkte schmackhaft zubereitet, wie man effektiv arbeitet und eine Hotelküche organisiert. „In einer Küche hat jeder seine spezielle Aufgabe. Nur wenn das Team um den Küchenchef gut funktioniert, kann man z.B. ein großes Buffet oder ein starkes á la carte – Geschäft bewältigen. In einer guten Hotelküche müssen alle Arbeitsabläufe aufeinander abgestimmt sein “, weiß Anke mittlerweile.
Neben den körperlich anstrengenderen Bereichen wie Housekeeping, Restaurant und Küche gilt es natürlich auch, erste Erfahrungen im Bereich der Hotelführung und des Empfanges zu sammeln. Als Empfangsdame kommt Azubi Anke so in der Rezeption quasi als erste Hotelmitarbeiterin mit den Hotelgästen in Kontakt. Die Rezeption ist die wichtigste Schaltzentrale zwischen Gast und Hotel. Hier werden Wünsche erfüllt, hier ist der Nabel des Hauses.
„An der Rezeption kommt es ganz besonders auf gutes Benehmen und Freundlichkeit an. Man muss auch eine Fremdsprache beherrschen. Wir haben ja oft englischsprachige Gäste. Da darf man nicht ins stottern kommen“, lacht Anke.
Am meisten Spaß macht der angehenden Hotelfachfrau allerdings der eher theoretische Teil eines Hotelbetriebes, der Bereich Verkauf und Marketing. „Das ist genau mein Ding“, erklärt sie, „irgendwann möchte ich studieren und ins Hotelmanagement wechseln. Aber nach der Ausbildung im August 2011 werde ich in einen Flieger steigen und mich auf gut Glück bei einem Hotel in Californien vorstellen“, verrät Azubi-Sprecherin Anke ihren großen Traum. Diesem Ziel ist schon ziemlich nahe gekommen. Gerade erst bekam sie ein Praktikumsangebot von der IHK und Hoteldirektor Heiko Bader (36) schickte seine beste Auszubildende für 4 Wochen in ein Hotel nach Irland. „Unsere Anke wird ihren Weg gehen, sie ist zielstrebig und weiß was sie will“, ist sich der Direktor sicher.
Das Anke als Azubi gewissermaßen gleich in fünf Jobs ausgebildet wird findet sie klasse. „Mit dieser Ausbildung ist man für das Leben gerüstet. Wer sich hier Mühe gibt, dem steht die Welt offen. In dieser Branche gibt es jede Menge Jobs“, weiß sie und zupft spitzbübisch ihre blaue Hotelbluse zurecht.
Fotos & Text © Rex Schober / Weitere Bilder auf Anfrage: 0171-52 59 270
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